Buchabschrift: München 1902: Deutschlands Kämpfe in Ostasien, 1900-1901, dem deutschen Volke erzählt von Carl Tanera, Hauptmann a.D., Illustriert von Ernst Zimmer

Einleitende Bemerkungen des Abschreibers

Ein Staat entsteht, abhängig vom Entwicklungsstand der Technik und der Gesellschaft, innerhalb natürlich abgrenzbarer Geographien und hat den Zweck, für Sicherheit und Wohlfahrt seiner Einwohner zu sorgen.

Basierend auf der Geographie, den darin befindlichen Ressourcen, dem Entwicklungsstand der Technik zur Abbaufähigkeit und Nutzung seiner Ressoucen, den Abhängigkeiten zu anderen Regionen und Gesellschaften, entsteht der Charakter des Staates schon am Anfang seiner Geburt. Deshalb erachte ich es für sinnvoll, möglichst nahe der Geburt, die Geschichte des Staates anzuschauen.

Als einen Einblick in die Entwicklung der Staatlichkeit in Zentral-Europa, insbesondere dem Gebiet, dass den Namen Deutschland trägt, lese ich gerade m.E. ein historisch sehr wertvolles Buch, dessen Lesung ich mit möglichst vielen Menschen teilen und diskutieren möchte.

Die Abschrift und Analyse dieses Werkes dient nicht der Verherrlichung des deutschen Nationalismus, Kolonialismus, Rassismus, Faschismus, Kapitalismus, Kriegswut und Kapitulations- und Untergangssucht, sondern der nüchternen Betrachtung zum Verständis der Geschichte und Projektion auf die Gegenwart und die Zukunft.

Geschichte sollte studiert werden, um alte Fehler zu vermeiden, damit die  Gegenwart sinnvoller gestaltet und die Zukunft besser geplant werden kann.

Wohlgemerkt, ich habe dieses Buch noch nicht gelesen, sondern fange gerade damit an und schreibe das Gelesene hier nieder. Aufgrund des Alters bestehen auf dieses Werk keine Urheberrechte mehr.

Wir schauen ins politische Unterbewusstsein des Kaiserreichs Deutschland, am Ende des 19. und dem Begin des 20. Jahrhunderts. Die Weltkriege sind noch weit weg.

Leider kann ich keine Fraktur-Schrift auf WP nutzen, um den Inhalt authentischer wiederzugeben, aber aber das wäre nur ein gestalterischer Schmankerl, damit andere animiert werden, sich von den alten Schriftarten nicht abschrecken zu lassen.

Ich werde den Text vollständig, also inklusive der Seitenangaben und Anmerkungen abschreiben. Meine Zwischentitel, Verweise und Kurzkommentare werden in Eckigen Klammern und Kursivschrift eingefügt. Bilder weden eingescannt, passend zurechtgeschnitten und mit der Zeit eingefügt.

Auf anderen Plattformen wird der Text häppchenweise publiziert, doch hier wird sich alles auf einer Webseite befinden, soweit dies tragbar ist. Nach Bedarf wird es gröber aufgeteilt.

Bitte kommentiert sachlich und helft bei der Analyse und Verknüpfung mit anderen Texten. Die Aussagen aus diesem Buch werden uns helfen, die heutigen Entwicklungen mit einem geschäften Blick zu betrachten. Meines Erachtens haben heute China und die USA ein ähnliches Verhältnis, wie das damalige Deutschland und Großbrittanien.

So nun geht e an den Text.

====================================================

[Buchdeckel]

Deutschlands

Kämpfe

in

Ost-Asien

von 1900 – 1901

C. Tanner

Illustriert von E. ZIMMER

München

C.H. BECKSCHER VERLAG (OSK. BECK)

 

[Inneres Deckblatt]

Deutschlands Kämpfe

in

Ostasien

 

[2. inneres Deckblatt]

Deutschlands Kämpfe

in

Ostasien

dem deutschen Volke erzählt

von

Carl Tanera

Hauptmann a.D.

Illustriert von Ernst ZIMMER

Mit einer Übersichtskarte von Ost-China.

München 1902

C.H. BECKSCHER VERLAGSBUCHHANDLUNG

OSKAR BECK.

 

[Folgeseite zum 2. inneren Deckblatt]

C.H Beck’sche Buchdruckerei in Nördlingen

 

Vorwort.

Durch zwölf Reisen nach dem Osten, die mich schließlich bis China und Japan führten, habe ich nach und nach erkannt, wie der deutsche Handel in Asien in dem letzten Jahrhundert ganz gewaltig in die Höhe ging, wie notwendig es für Deutschland ist, sich die dortigen Absatzgebiete nicht durch andere Mächte verschließen zu lassen, und wie dies nur erreicht werden kann, wenn wir zu Hause unsere weltpolitische Aufgabe erfassen, durch die Hebung unserer Kriegsflotte eine entsprechende Macht entfalten und im Notfall mit aller Kraft für unsere Interessen im Osten eintreten.

Das Frühjahr 1900 lehrte mich Kiautschou und das chinesische Reich kennen. Ich verließ Ende April Schanghai, um über Japan und Amerika nach Hause zurückkehren. Erst im Yellowstone-Park erfuhr ich die Ermordung des deutschen Gesandten in Peking. Von da an blieb ich mit Kameraden und Freunden in Chiner in steter Verbindung, verfolgte, unterstützt durch die Kenntnis der Personen, Schiffe, Gegenden und Völker, welche nun eine Rolle spielten, mit größter Aufmerksamkeit die Ereignisse und suchte mir den allgemeinen Blick möglichst ungetrübt zu erhalten. Ich bereue es nicht, die ehrenvolle Berufung des deutschen Flottenvereins, sowie verschiedener Zeitungen, sofort als Kriegsberichterstatter nach China zurückzukehren, abgelehnt zu haben. Ich wußte ja, daß bei den bevorstehenden wirren Kämpfen ein Berichterstatter nur immer einzelne Episoden beobachten, nie aber sich ein allgemeines, übersichtliches Bild vor Augen führen konnte. Das war nur da möglich, wo die verschiedenen offiziellen und privaten Berichte von Taku, Tientsin, Peking, Pooting-fu, von der großen Mauer, aus der Mandschurei, von Schan-hai-kuan und den vielen Expeditionen zusammenstossen, nämlich in der Heimat, in Berlin.

Wie ich von hier aus die Lage erkannte, das habe ich meinen Freunden in altgewohnter, volkstümlicher Weise geschildert.

Berlin im Oktober 1901

Tanera.

 

Inhaltsverzeichnis

Seite

I.   Das Wachsen der deutschen Seeinteressen ……………………………………………………………………. 1

II.  Briefe über China …………………………………………………………………………………………………………… 18

III. Die Pachtung des Kiantschou-Gebietes und dessen bisherige Entwicklung …………….. 38

IV.  Die Ereignisse bis zum Ausbruch des Krieges …………………………………………………………….. 56

V.    Die Absendung der Seymour’schen Expedition. Die Eroberung der Taku-Forts ……… 72

VI.  Die Ereignisse in Tientsin und die Befreiung der Seymour’schen Expedition …………. 92

VII. Die Kämpfe um Tientsin. Die Ermordung des deutschen Gesandten und die diplomatischen Verhältnisse …………………………………………………………………………………………….. 118

VIII. In Peking …………………………………………………………………………………………………………………….. 134

IX.  Nach Peking …………………………………………………………………………………………………………………. 160

X.   Die Eroberung der Peitang-Forts. Die Russen in der Mandschurei und die Ankunft des Grafen Waldersee in China ……………………………………………………………………………………………….. 181

XI.  Die Besetzung von Schang-hai-kuan und Paoting-fu. Die Expedition an die chinesische Mauer …………………………………………………………………………………………………………….. 202

XII. Die Ereignisse bis zum Friedensschluß …………………………………………………………………….. 225


 

Verzeichnis der Tafeln

Seite

  1. Deutsche Marine-Feldbatterie im Kiautschlou-Gebiete …………………………………………… 54
  2. Prinz Heinrichs Besuch bei dem Kaiser von China …………………………………………………. 58
  3. Auf dem “Iltis” im Kampf gege die Taku-Forts …………………………………………………………. 82
  4. Sturm auf das Nordwestfort von Taku unter Führung des Kapitäns Pohl …………….. 84
  5. Erstürmung des Thores der Mandschu-Militärschule in Tientsin durch die Deutschen unter Kapitänleutnant Kühne …………………………………………………………………. 96
  6. Abweisung des Boxer-Angriffs bei Langfang durch die Deutschen unter Kapitän von Usedom ………………………………………………………………………………………………………………………… 99
  7. The Germans to the front! ……………………………………………………………………………………….. 107
  8. Tod des Korvettenkapitäns Buchholz in der Umwallung des Hsiku-Arsenals bei Tientsin ……………………………………………………………………………………………………………………… 110
  9. General Stößel belobt die deutsche Marine-Infanterie in Tientsin ………………………. 119
  10. Parademarsch des Seebataillons vor dem Kaiser am 2. Juli 1900 in Wilhelmshafen …………………………………………………………………………………………………………………………………….. 125
  11. Ermordung des deutschen Gesandten Freiherrn von Ketteler …………………………….. 139
  12. Kampf auf der Mauer in Peking ………………………………………………………………………………. 146
  13. Japanische Kavallerie greift chinesische Artillerie an …………………………………………… 165
  14. Einmarsch der Engländer durch das Südtor von Peking ………………………………………. 173
  15. Einzug der Verbündeteten in Peking ………………………………………………………………………. 175
  16. Graf Waldersee in Schanghai …………………………………………………………………………………… 200
  17. Kampf der Brigade Ketteler an der großen Mauer ………………………………………………… 219
  18. Übersichtskarte von Ost-China ………………………………………………. (am Schluß des Werks.)

 

– 1 –

Das Wachsen der deutschen Seeinteressen

 

Im Frühjahr 1897 trank man in Berlin das beste Bier beim Spatenbräu in der Friedrichstrasse. Im dritten Stockwerk befanden sich verschiedene, nicht mit den allgemeinen Räumen in Verbindung stehende Zimmer, und diese waren jeden Abend von Vereinen, Landsmannschaften oder Gesellschaften gemietet. Dann stand außen an der Thür entweder der Name des betreffenden Vereins oder der allgemeine Vermerk: “Heute Abend abonniert.”

Dadurch ware die innen Versammelten vor einer Störung durch Unberufene sicher.

In dem zweiten nach dem Hofe gelegenen Zimmer verkehrte jeden Freitag Abend ein Kreis von älteren Herren, welche sich nach und nach in Berlin zusammengefunden und einen statutenlosen Verein gebildet hatten, der den Namen “Die Zwangslosen” führte. Damit sollte nicht ausgedrückt sein, daß es da innen ohne Zwang und Sitte zugehen dürfe. Keineswegs! Das “Zwangslose” bezog sich nur darauf, daß es keine Beiträge, keine Aufnahms-, Mitglieds- und Austrittserklärung, keine Verpflichtungen gab, sondern daß jeder, der einmal durch einen der schon vorhandenen Zwangslosen eingeführt war, wiederkommen durfte, so oft und wann er wollte, daß man nie zum Kneipen gezwungen wurde, kurz daß man thun und lassen konnte, was jedem beliebte. Und doch war den Zusammenkünften der “Zwangslosen” ein ganz eigener Stempel aufgeprägt. Jeder wußte, dass man dort nicht schlechte Witze reißen, nicht ein alltägliches, oberflächliches Kneipengespräch führen und sich in gesellschaftlicher Form in keine Weise nachlässig zeigen durfte. Dies bewirkte die häufige Gegenwart von Staatsbeamten, Offizieren, Gelehrten, Reichstagsabgeordneten, Großindustriellen, sehr geachteten Kaufleuten, kurz von Männern aller Berufsklassen, aber fast ausnahmslos von hohem Ansehen. Wenn daher hie und da auch ein jüngerer Herr als Verwandter oder Begünstigter eines der älteren “Zwangslosen” eingeführt wurde, so merkte er bald, daß er sich bescheiden zurückhalten müsse und durch sein Äußeres und sein Benehmen auszudrücken habe, wie er die Ehre, in einer so auserlesenen Gesellschaft aufgenommen zu sein, anerkenne. Die Gespräche, welche man hier führte, berührten alle nur denbkbaren Gebiete: Politik, Kunst, Armee und Marine, Handel, Industrie etc., und je nach der Art des Themas ergriff gewöhnlich einer oder der andere der zufällig anwesenden Sachverständigen das Wort und hielt einen kleinen Vortrag aus dem Stegreif, woran sich eine mehr oder minder lebhafte Besprechung anschloß. Sosehr sich also diese Zusammenkünfte auch von einem eigentlichen Kneipenabend unterschieden, kamen doch die meisten “Zwangslosen” sehr gern und so oft sie nur konnten, denn man hörte und lernte hier beim Bierglas oft mehr von wichtigen Staats- und Tagesfragen als in in der Kammer, im Reichstag, in den Zeitungen oder sonstwo.

Heute waren die “Zwangslosen” besonders zahlreich erschienen. Jeder wusste, es würden die letzten Reichstagsverhandlungen und das Auftreten der Majorität gegen die durch den Admiral Hollmann vertretene Regierungsforderung von neuen Kriegsschiffen, namentlich Kreuzern, besprochen werden. Man hatte sich nicht getäuscht. Einige höhere Marineoffiziere vom Reichsmarineamt, Großkaufleute, welche den überseeischen Handel durch eigene Mitwirkung kannten, Industrielle und andere bei der Frage der Flottenvermehrung mehr oder minder beteiligten Herren waren erschienen. Anfangs wechselte man nur Begrüßungen, erkundigte sich nach persönlichen Verhältnissen und sprach von allgemeinen Dingen. Da trat der Direktor der Deutschen Bank ein und brachte einen jüngeren, sehr intelligent aussehenden jungen Herren mit. Beide begrüßten die Anwesenden und ersterer stellte dann seinen Begleiter mit den Worten vor: “Meine Herren, ich empfehle Ihnen meinen jungen Freund Kleinen, der vor acht Tagen nach sechsjährigem Aufenthalt in China und Japan hierher zurückgekehrt ist und uns manchen interessanten Aufschluß über die Verhältnisse im Osten geben kann.”

 

 

 

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